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Wikis als Beispiel für kollektive Inhaltsproduktion im Web 2.0


Wikis haben in den letzen Jahren, zusammen mit anderen Plattformen und Software-Lösungen aus dem Bereich des Web 2.0 und der Social Software eine außerordentliche Entwicklung erfahren. Nicht zu unrecht gelten Wikis heutzutage als einer der wesentlichen Eckpfeiler des Web 2.0. Das wohl wichtigste neue Merkmal von Wikis ist die Möglichkeit, den Inhalt von Seiten beliebig zu verändern, und diese Veränderungen sofort allen Benutzern zugänglich zu machen. Wikis können somit als Paradigma für die kollektive Inhaltproduktion im Web angesehen werden. In diesem Kapitel werden Wikis daher näher beschrieben und unter mehreren Aspekten beleuchtet.

Historische Entwicklung

Die im Internet weltweit zugängliche Enzyklopädie Wikipedia ist wohl das prominenteste Beispiel für die Leistungsfähigkeit des Konzepts der kollektiven Inhaltsproduktion durch Wikis. Die Ursprünge des Projekts liegen im Jahre 2001 und mittlerweile bringt es die englischsprachige Version auf über zweieinhalb Millionen Einträge. Das Konzept der Wikis selbst wurde jedoch bereits vorher entwickelt.

Schon der erste vom Erfinder des WWW, Tim-Berners Lee entwickelte Browser enthielt einen Edit-Link, der es erlauben sollte, eine Internet-Seite zu editieren [Web 2.0]. Als eigentlicher Schöpfer des Prinzips Wiki gilt jedoch gemeinhin Ward Cunningham. Dieser suchte im Jahre 1995 eine Plattform zur gemeinsamen Erstellung von Entwurfsmustern für die Software-Entwicklung [Portland Pattern Repository]. Sein Ziel war es, eine Umgebung zur Verfügung zu stellen, in der jeder gleichberechtigt seinen Beitrag zur Erstellung des Repositories einbringen konnte. Da er auf seiner Suche nicht fündig wurde, entwickelte er kurzerhand selbst eine Software, die die angestrebte Funktionalität implementierte. Diese Software nannte er WikiWiki Web, in Anlehnung an die sog. "Wiki Wiki" Buslinie am Honolulu International Airport auf Hawaii. Hierbei ist wikiwiki ein Wort, das aus der hawaiischen Sprache entlehnt ist, und das als Adjektiv bzw. Adverb eingesetzt schnell bedeutet. Dies sollte die Geschwindigkeit und die Einfachheit hervorheben, mit der die Information gemeinsam erstellt und wieder geändert werden konnte.

Mittlerweile besitzen Wikis eine wichtige Stellung in der Softwarelandschaft. Es existieren eine unüberschaubare Anzahl von Wikis mit den unterschiedlichsten Themen. Auf die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten wird im Rahmen dieser Arbeit weiter unten eingegangen.


Kernfunktionen eines Wikis

Das bei der Einführung von Wikis herausragende und neue Merkmal war natürlich die Möglichkeit, Web-Seiten zu editieren und diese Änderungen sofort allen Benutzern zugänglich zu machen. Neben dieser grundsätzlichen Funktion, gibt es jedoch noch eine Reihe zusätzlicher Kernfunktionen, die in diesem Kapitel beschrieben werden sollen.

Seite erstellen und bearbeiten

Wie soeben erwähnt, ist die Funktionalität die es erlaubt, Seiten zu erstellen und zu bearbeiten das herausragende Merkmal von Wikis. Sie gestattet es, neue Seiten zu erzeugen bzw. existierende Seiten zu verändern und die Ergebnisse sofort abzuspeichern. Der Zugang zu dieser Funktionalität ist stets über einen Link realisiert, durch den das System in einen Editiermodus gelangt, der es dem Benutzer erlaubt, den Inhalt zu bearbeiten.

Abbildung 3 zeigt als Beispiel eine sehr einfache Wiki-Seite, bei der im oberen Bereich der Edit-Link zu sehen ist. Klickt der Benutzer auf diesen Link, so erstellt das Wiki als Antwort eine neue, auf HTML basierte Seite, auf der ein Editier-Bereich vorgesehen ist, in dem der Anwender den Inhalt der Seite nach Belieben bearbeiten kann (Abbildung 4, markierter Editier-Bereich). Der Inhalt wird dabei in einem dem Wiki-System eigenen Format dargestellt, der Wiki-Markup genannt wird. Der Wiki-Markup ist hierbei nicht mit HTML zu verwechseln, das in seiner Form wesentlich strukturierter und, vor allen Dingen, auch standardisiert (HTML, XHTML) ist. Im Gegensatz hierzu ist die Zielsetzung beim Wiki-Markup eine einfachere Editierbarkeit des Textes zu gewährleisten, ohne dem Benutzer spezielle Programmierkenntnisse oder sonstige webbasierte Kenntnisse abzuverlangen (auf den Wiki-Markup wird später noch einmal näher eingegangen).

Wie in Abbildung 4 zu sehen ist, unterstützt das System den Anwender durch diverse Editier-Funktionen. So gibt es z.B. spezifische Schaltflächen um den Text in Fettschrift oder Kursivschrift zu setzen. Diese Schaltflächen erleichtern das Editieren der Seiten, da der Markup von den meisten Benutzern als nicht-intuitiv empfunden wird. Was die zukünftige Entwicklung anbelangt, so gibt es Bestrebungen, Editoren auf WYSIWYG-Basis zu entwickeln und diese auch vollständig in den Browser zu integrieren [Wiki]. Ist der Benutzer mit seiner Bearbeitung fertig, so drückt er auf die entsprechende Schaltfläche um seine Ergebnisse zu speichern. Ruft ein anderer Benutzer nun die entsprechende Seite auf, so sind die Veränderungen sofort für ihn sichtbar.

Neben dem Verändern einer Seite durch das Editieren soll nicht unerwähnt bleiben, wie denn überhaupt neue Seiten in das System gelangen. Dies geschieht einfach durch das Hinzufügen eines Links in einer bereits existierenden Seite. Klickt man dann zum ersten Mal auf diesen Link, so erstellt das System dynamisch die neue Seite und wechselt sofort in den Editiermodus, der es nun dem Benutzer erlaubt, den Inhalt der neuen Seite zu bearbeiten.

EinfacheWikiSeite.png

Abbildung 3 Beispiel für die Bearbeitung einer einfachen Wiki-Seite

Editierbereich.png

Abbildung 4 Die gleiche Seite aus Abbildung 3 im Editier-Modus

Links

Wie soeben erwähnt, erlauben es Wikis, Links zu setzen. Man unterscheidet hierbei zwischen sog. internen Links, die auf Seiten innerhalb des Wikis verweisen und externen Links, die auf beliebige Seiten im Internet verweisen können.

Bezüglich der Formatierung eines solchen Links, gibt es nun mehrere Ansätze in den verschiedenen Wiki-Systemen. Eine aus den Anfängen der Wikis bekannte Möglichkeit ist die Benutzung von sog. CamelCase-Wörtern. Hierbei handelt sich um zusammengesetzte Wörter, deren erster Buchstabe jeweils groß geschrieben ist (wie es der Fall bei "CamelCase" ist). Trifft das System auf ein derart formatiertes Wort, so wird dieses als Link zu einer Seite interpretiert. Dies hat des öfteren dazu geführt, dass unbeabsichtigt Links gesetzt werden. Daher gehen modernere Systeme dazu über, Links grundsätzlich anders zu formatieren. So wird beispielsweise in MediaWiki (eine sog. Wiki-Engine, siehe Beschreibung weiter unten) ein Link durch [[<Linkname>]] formatiert.

History (Versionierung von Seiten)

Eine der grundlegenden Funktionen eines Wikis ist die History-Funktion, die vorsieht, alle Versionen einer Seite, bis hin zur ersten Version, abzuspeichern und zugänglich zu machen (manchmal wird nur das Abspeichern bis zu einer gewissen Anzahl von Versionen oder nur bis zu einem bestimmten Datum erlaubt). Da es sich bei Wikis um offene Systeme, in denen ja grundsätzlich jeder alles und zu jeder Zeit ändern kann (sofern es keine Beschränkungen diesbezüglich gibt; siehe weiter unten), stellt diese Funktionalität einen eminent wichtigen Merkmal von Wiki-Systemen dar. Die Versionierung erlaubt u.a.

  • die Rückverfolgung der gesamten Entstehungsgeschichte einer Seite bis hin zur ursprünglichen Version
  • den Vergleich verschiedener Versionen. Viele Systeme bieten eine Vergleichsfunktio-nalität an, die die Unterschiede zwischen zwei vorgegebenen Versionen anzeigen
  • das Wiederherstellen älterer Versionen. Die ist besonders im Rahmen von Vandalismus oder sonstiger Beschädigung von Seiten (auch unbeabsichtigte Beschädigungen fallen natürlich darunter) wichtig. Wird eine Seite mutwillig oder unbeabsichtigt beschädigt (z.B. durch Löschen von Teilen der Seite), so ist es ein Leichtes, zu einer intakten Version zurückzukehren, und diese wieder zur aktuellen Version zu machen.

Abbildung 5 zeigt ein Beispiel für die Versionsgeschichte einer Seite. Dieses Beispiel bezieht sich auf einen im Rahmen der vorliegenden Arbeit durchgeführten Praxistest in Wikipedia (siehe Kapitel 5). Auf der Seite sind, in chronologischer Reihenfolge, jeweils die einzelnen Versionen der Seite aufgelistet. Möchte man zwei bestimmte Versionen miteinander vergleichen, so kann man diese mit Hilfe der Radio-Buttons auswählen und danach den Vergleich durch Drücken der Schaltfläche "Gewählte Versionen vergleichen" starten.

Versionsgeschichte.png

Abbildung 5 Beispiel für die Versionsgeschichte einer Seite


Diskussion

Es dürfte wohl unmittelbar einleuchtend sein, dass das gemeinsame Produzieren von Informationsinhalten, insbesondere auch auf Grund der im Internet bestehenden extrem flachen Hierarchien, nicht ohne Diskussionen vonstatten gehen kann. Wikis tragen diesem Umstand Rechnung, in dem sie einen speziellen Bereich vorsehen, der für die Aufnahme der Diskussionen über die eigentlichen Inhalte gedacht ist. Dabei wird Wert darauf gelegt, diese Diskussion vom Inhalt selbst zu trennen, um diesen nicht zu überfrachten. In Abbildung 5 z.B. ist hierzu ein Reiter "Diskussion" zu sehen, der es den Benutzern erlaubt, die Inhalte zu diskutieren, und Kommentare dazu abzugeben.


Recent Changes

Eine weitere, im Zusammenhang mit der Modifikation von Seiten stehende Funktionalität, ist die von Wiki-Systemen zur Verfügung gestellte Möglichkeit, Listen von kürzlich geänderten Seiten zu erstellen. Eine derartige Liste wird hierbei automatisch vom System erstellt und ist dadurch stets bezüglich des Zeitpunkts der Erstellung aktuell. Darüber hinaus ermöglichen es auch viele Systeme sog. watch lists aufzustellen. Hierbei handelt es sich um Listen ausgewählter Seiten, zu denen dann das System Informationen bezüglich der zuletzt durchgeführten Änderungen bereitstellt.

Aufbau und Arbeitsweise eines Wikis

In diesem Abschnitt sollen der grundsätzliche Aufbau und die Arbeitsweise von Wikis beschrieben werden. Hierbei soll u.a. auch verdeutlicht werden, auf welche Weise Wikis bestehende Internet-Architekturen benutzen, um die oben beschriebenen Funktionalitäten zu implementieren.

Aufbau

Abbildung 6 aus [Wiki] zeigt den grundsätzlichen Aufbau eines Wikis. Die Benutzer des Wikis greifen über das Internet durch einen vorgeschalteten Webserver (nicht in der Abbildung) auf das Wiki zu, wobei die Kommunikation auf klassischer Weise über HTML erfolgt. Das Wiki-System setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:

  • die Wiki-Skripte zeichnen für die Erzeugung der Wiki-Seiten bzw. Artikeln verantwortlich. Für die Seiten, die an den Benutzer gesendet werden wird HTML erzeugt. Zur Erstellung dieser Seiten, greift das Wiki-System einerseits auf Wiki-Code und andererseits auf Vorlagen zu.
  • Der sog. Wiki-Code (oder auch Wiki-Markup) enthält den eigentlichen Inhalt einer Wiki-Seite. Dieser wird in eine Vorlage eingebunden und vom Wiki-System nach HTML übersetzt. Beim Wiki-Markup handelt es sich um eine spezifische Markup-Sprache die nicht mit HTML Markup zu verwechseln ist (siehe weiter unten).
  • Mit Hilfe der Vorlagen, werden verschiedene Layouts vordefiniert, in denen danach die Wiki-Inhalte eingebunden werden können. Wie soeben beschrieben, werden zusammen aus dem Wiki-Markup und dem Layout die Seiten erstellt, die dem Benutzer geschickt werden.

GundsaezlicherAufbau.png

Abbildung 6 Grundsätzlicher Aufbau eines Wikis (aus [Wiki, S.19])


Arbeitsweise

Möchte nun ein Benutzer ganz einfach die Wiki-Seite aufrufen, so wird ihm vom System die übersetzte HTML Seite angezeigt. Falls der Benutzer aber die Seite selbst bearbeiten möchte (wie weiter oben beschrieben über die Funktionalität Seite bearbeiten), so wird, wie in Abbildung 6 angedeutet, der Markup nicht übersetzt, sondern in einem gesonderten Editierbereich angezeigt, der es erlaubt den Inhalt zu editieren (siehe auch Abbildung 4). Hierbei gibt es natürlich mehrere Möglichkeiten, diesen Editiervorgang zu unterstützen. Da Wiki-Markup wohl von vielen Benutzern als nicht intuitiv empfunden wird, werden von den meisten Systemen Editier-Hilfen angeboten, die das Editieren vereinfachen. So ist z.B., wie bereits erläutert, in Abbildung 4 über dem Editierbereich eine Toolleiste zu sehen, die diverse Schaltflächen zur Verfügung stellt, die das Editieren erleichtern sollen (z.B. die oberste linke Schaltfläche für Fettschrift). Was die zukünftige Entwicklung betrifft, so gibt es einerseits eine klare Tendenz zum WYSIWYG Editieren, und andererseits auch Bestrebungen diese Editierfunktionen in gängige Browser direkt zu integrieren. Was letzteres angeht, wird dies aber wohl in nicht all zu naher Zukunft realisiert werden können [Wiki].

Was den Wiki-Markup selbst betrifft, so stellt sich zunächst die Frage, warum überhaupt ein spezifischer Wiki-Markup verwendet wird. Wäre es nicht einfach möglich und sinnvoller gewesen, vorhandene Markup-Sprachen, wie z.B. HTML/XHTML zu verwenden ? Der Hauptgrund für die Entwicklung von spezifischen Wiki-Markup-Sprachen ist die Einfachheit des Markups. Da das fundamentale Merkmal von Wikis die Produktion von Inhalten durch die Benutzer selbst ist, sind die Anforderungen an den Markup grundsätzlich verschieden. Die mangelnde oder gar fehlende Kenntnis von HTML (oder sonstigen Markup-Sprachen) sollte keine Barriere für das Bearbeiten von Seiten darstellen. Wiki-Markup sollte so elementar einfach wie möglich sein, und so ist es auch oft möglich, die wesentlichen Elemente einer Wiki Markup-Sprache auf einer Seitenleiste unterzubringen. HTML wäre für die Zwecke von Wikis viel zu umfangreich und komplex gewesen und wäre wohl von vielen als "Overkill" empfunden worden. Demgegenüber stehen natürlich die mangelnde Standardisierung (jedes Wiki pflegt seinen eigenen Markup) und die paradoxerweise durch die sehr starke Vereinfachung hervorgerufene mangelnde Anschaulichkeit der Sprachen. Diesem Umstand wird durch die oben zitierte Tendenz zu WYSIWYG Editoren entgegen gewirkt.

Abbildung 7 zeigt als sehr einfaches Beispiel eine Gegenüberstellung von HTML und Wiki-Markup. Der durch beide Versionen erzielte Effekt ist der gleiche. Das Beispiel zeigt u.a., dass Wiki-Markup kompakter ist als HTML.

WikiMarkup-HTML.png

Abbildung 7 Beispiel für eine Gegenüberstellung von HTML und Wiki-Markup

Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt bezüglich der Arbeitsweise von Wikis ist der Umstand, dass auch Wikis, entgegen landläufiger Meinung, einer Administration bedürfen. Dies gilt natürlich um so eher, je größer das System ist. Auf die Administration von Wikis wird weiter unten noch näher eingegangen.


Wiki-Systeme

Möchte man über Wiki-Systeme reden, so sind zunächst einige grundlegende Begriffe zu klären. Als erstes ist zu unterscheiden, ob von der Installation eines eigenen Wikis die Rede ist, oder von der Mitbenutzung einer gegebenen Infrastruktur. Im letzteren Falle spricht man von sog. Wiki-Farmen. [Social Software]. Hierbei geht es um die Möglichkeit ein eigenes Wiki auf einem Fremdserver einzurichten, wobei hier meistens eine simple online Anmeldung genügt, um mit dem eigenen Wiki starten zu können. Auf diesen Servern werden dann zahlreiche weitere Wikis parallel betrieben (daher der Begriff "Farm"), wobei das Angebot manchmal entweder kostenpflichtig ist, oder alternativ durch Werbeeinblendungen finanziert wird.

Steht man vor der Entscheidung ein eigenes Wiki auf einem eigenen Server einzurichten, so sind die Möglichkeiten hierzu ebenso sehr zahlreich. Es existieren inzwischen ca. 200 Wiki-Softwaresysteme [Wiki]. Im Zusammenhang mit diesen Systemen wird häufig auch von sog. Klonen [Social Software] gesprochen, da sie aus ursprünglichen Wiki-Systemen abgeleitet sind. In dem Fall, dass das ursprüngliche Wiki und dessen Klon sich weiter auseinander entwickeln, spricht man auch von sog. Forks [Social Software].

Folgende Auswahl aus [Wiki] enthält einige Beispiele für Klone, die in der Praxis Bedeutung erlangt haben:

  • MediaWiki:

MediaWiki dürfte wohl zu den bekanntesten Vertretern von Wiki-Software gehören. Dies liegt daran, dass Wikipedia MediaWiki als Plattform einsetzt. MediaWiki ist in PHP geschrieben.‏

  • Twiki:

Twiki ist ein sehr ausgereiftes Produkt mit zahlreichen Features. Es wird auch zunehmend für kommerzielle und firmeninterne Zwecke eingesetzt. Twiki ist in Perl geschrieben.

  • Confluence:

Confluence ist ein kommerzieller Wiki-Klon, welcher für Unternehmen konzipiert ist. Ein besonderes Merkmal von Confluence ist das Taggen von Inhalten, mit dem Ziel, Suchvorgänge effizienter zu gestalten. Confluence wird ebenso häufig für firmeninterne Intranets verwendet.

  • UseModWiki:

UseModWiki gehört zu den ältesten Wiki-Systemen mit einem entsprechend großen Einfluss auf die Entwicklung neuerer Systeme. So basiert z.B. der MediaWiki-Markup stark auf dem von UseModWiki. UseModWiki gehört zu den meist verwendeten Systemen und ist in Perl geschrieben.

  • MoinMoin:

MoinMoin ist ein eher einfaches Wiki-System, welches aber durch Plugins erweitert werden kann. Es ist in Python geschrieben und erfreut sich relativ großer Beliebtheit.

Auffallend bei Wiki-Software ist der Umstand, dass zahlreiche Systeme als Open-Source betrieben werden. So ist unter den vorgenannten Systemen lediglich Confluence ein kommerzielles Produkt. Steht man nun vor der Entscheidung ein bestimmtes Wiki-System auszuwählen, so müssen zahlreiche Kriterien berücksichtigt werden, wie z.B. die Programmiersprache, Systemanforderungen, der Installationsaufwand und die Benutzerverwaltung.


Anwendungsmöglichkeiten von Wikis

Betrachtet man die Einsatzmöglichkeiten heutiger Wikis, so ist eines der hervorstechenden Merkmale die ungeheure Vielfalt von Anwendungen, für die Wikis heutzutage eingesetzt werden. Natürlich ist der allen Systemen zugrunde liegende Mechanismus identisch, nämlich die Produktion von gemeinsamen Inhalten, aber die Bandbreite der Anwendungen, die sich dieses Prinzip zu Nutzen machen, ist erstaunlich hoch. Natürlich wird immer wieder auf das klassische Beispiel der Wikipedia verwiesen, aber in der Realität existieren Wikis zu allen erdenklichen Themen.

Eine Unterteilung der Einsatzmöglichkeiten von Wikis kann hinsichtlich der grundsätzlichen Finalität des Einsatzes vorgenommen werden. Man unterscheidet hierbei zwischen sog. themenbezogenen Wikis und projektbezogenen Wikis. Erstere werden eingesetzt, um eines oder mehrere Themen zu bearbeiten (wie dies z.B. auch bei der Wikipedia der Fall ist; ein Eintrag entspricht hier einem Thema. Es gibt aber auch den sehr verbreiteten Fall, dass ein einzelnes Wiki einem einzigen Thema gewidmet ist). Letztere werden im Rahmen eines einzelnen Projektes verwendet und können sogar zur Unterstützung des Projektmanagements eingesetzt werden [Wikimanagement].

Eine andere Unterteilung, die natürlich wesentlich feingranularer ist, ist diejenige nach dem Umfeld des Einsatzes und nach der jeweils bearbeiteten Thematik. So werden heutzutage Wikis in allen möglichen Umfeldern eingesetzt, wie z.B. in Unternehmen und Organisationen, in Schulen und Universitäten aber auch als Plattformen für lokalpolitische Themen [Wiki] oder ganz einfach von Privatpersonen, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren.

Ein Beispiel für die mögliche Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten bietet die sog. Wikimedia Foundation. Wikimedia ist eine internationale nichtstaatliche Non-Profit-Organisation, die mehrere Projekte betreut, u.a. natürlich das bekannteste aller Wikis, die Wikipedia. Die Wikimedia Foundation unterhält aber noch weitere interessante Projekte, die in Abbildung 8 illustriert sind, und von denen einige im Folgenden beschrieben werden (die als Zitate markierte Beschreibungen stammen aus [Wikipedia] selbst).

WikimediaFoundation.png

Abbildung 8 Projekte der Wikimedia Foundation (aus [Wikipedia])

  • Wikibooks:

"Das Projekt stellt eine Sammlung freier Lehr-, Sach- und Fachbücher dar, die in Zusammenarbeit der Nutzer – ähnlich der Funktionsweise von Wikipedia – erstellt werden. Das heißt, jeder darf ein Kapitel durch einen Klick auf die Schaltfläche „bearbeiten“ verbessern."

  • Wikiquote:

"Das Ziel von Wikiquote ist es, auf Wiki-Basis ein freies Kompendium von Zitaten in jeder Sprache zu schaffen, also eine freie Zitatensammlung. Für zusätzliche Informationen sorgen Links in die Wikipedia und zu Wikimedia-Projekten…"

  • WikimediaCommons:

"Wikimedia Commons ist eine internationale, freie Datenbank für Bilder, Videos, Musik und gesprochene Texte. Es ist für Benutzer kostenfrei und ohne Anmeldung nutzbar." Wikimedia Commons stellt also ein gemeinsames Reservoir von frei zugänglichen Medieninhalten dar, die u.a. auch in allen anderen Projekten der Wikimedia Foundation verwendet werden (so kann z.B. ein einziges Bild in Einträgen unterschiedlicher Sprachversionen der Wikipedia verwendet werden).

  • Wikinews:

"Wikinews ist ein Wikimedia-Projekt zur gemeinschaftlichen Erstellung einer freien und neutralen Nachrichtenquelle. Wikinews ermöglicht es jedem Internet-Nutzer, Nachrichten zu einem breiten Themenkreis zu veröffentlichen". Der Wikinews ist noch kein großer Erfolg beschieden [Wiki]. Es bleibt abzuwarten, inwiefern ein von Internetnutzern "betriebener" Nachrichtendienst mit professionellen Nachrichtendiensten konkurrieren kann.

Warum funktionieren Wikis?

Eine in der Öffentlichkeit und unter Fachleuten viel diskutierte Frage, ist diejenige nach dem Erfolgsgeheimnis von Wikis. Wie kann es sein, dass Inhalte, die von zahlreichen Menschen ohne zentrale Anleitung und auf Mechanismen der Selbstorganisation und der Selbstregulierung beruhend, auf qualitativ gleicher Ebene stehen können, wie Inhalte, die von professionellen Anwendern produziert werden? So ist z.B. das Wissenschaftsmagazin Nature in einer viel beachteten vergleichenden Studie zu dem Schluss gekommen, dass Wikipedia eine ebenso zuverlässige Informationsquelle darstellt, wie die altehrwürdige Britannica. [Heise]. Welche Faktoren tragen also zu dem Erfolg des Prinzips Wiki bei?

Einige Antworten hierzu können in der Literatur gefunden werden. So werden in [Wiki] u.a. folgende Gründe genannt, die dazu beitragen, die in Wikis praktizierte Zusammenarbeit von größeren Gruppen erfolgreich sein zu lassen:

  • flache Hierarchien: die in Wikis vorzufindenden Hierarchiestrukturen sind extrem flach, d.h. die meisten Benutzer sind auf einer Ebene mit gleichen Rechten gestellt. Dies begünstigt die Eigenverantwortung jedes Teilnehmers und fördert auch die Initiative und die Kreativität.
  • einfaches System, einfache Regeln: die Wiki-Technologien stellen eine nur sehr geringe Einstiegshürde für potentielle Teilnehmer dar. Es bedarf keiner großartigen Programmier- oder sonstiger technischer Kenntnisse um am Geschehen teilhaben zu können. Dies eröffnet dem Gruppenprozess einen weiten Teilnehmerkreis.
  • offener Zugang: der Kreis der Teilhabenden ist (von Ausnahmen abgesehen) nicht beschränkt. Jeder der im positiven Sinne zu einem Arbeitsergebnis beitragen kann, ist willkommen. Die Sicherung der Qualität der Beiträge wird durch die hohe Anzahl der Teilnehmer gewährleistet.
  • Unterschiedlichkeit der Teilnehmer: das Spektrum der Teilnehmer ist sehr breit. Diese haben unter Umständen verschiedene Wissensstände und Erfahrungen und können sich an der Arbeit an denjenigen Themen beteiligen, für die sie sich kompetent fühlen. Jeder Teilnehmer wird damit soz. zu einem Mosaikstein der weiter oben beschriebenen kollektiven Intelligenz.
  • Möglichst freie Zeiteinteilung und selbstbestimmtes Arbeiten: die Teilnehmer haben vollkommene Wahlfreiheit über den Zeitpunkt und über den Themenkreis, an dem sie arbeiten möchten. Es besteht keinerlei Druck der von einer über ihnen stehenden Hierarchie ausgeübt wird. Dies fördert insbesondere die Motivation der Teilnehmer.
  • Interesse an der Sache: die Wahrscheinlichkeit, dass Teilnehmer an einem Thema arbeiten, die auch wirklich das notwendige Interesse hierfür aufbringen, ist groß. Es ist also davon auszugehen, dass deren Motivation zumindest vorhanden, wenn nicht sogar groß ist. Die Teilnahme an der Arbeit schafft auch Engagement und ein Verantwortungsgefühl für das Resultat.
  • Spielerisch Neues schaffen: nicht zuletzt wird auch häufig als Grund für den Erfolg von Wikis genannt, dass es einfach "cool" ist dabei zu sein. Es herrscht meist eine lockere Atmosphäre und die Teilnehmer haben Spaß an der Arbeit. Das Ganze hat auch etwas Spielerisches an sich, und das Erfolgserlebnis stellt sich rasch ein, wenn man mal z.B. an einem Wikipedia-Artikel gearbeitet hat, und die Änderung sofort für alle anderen im Internet sichtbar wird.

Natürlich sollte man nicht verschweigen, dass Wikis auch ihre Probleme und Grenzen haben. Hierzu zählen vor allen Dingen Vandalismus durch Teilnehmer, die mutwillig Inhalte durch Veränderungen oder Löschen zerstören. Ein Gegenmittel hierzu ist das Sperren für Modifikationen von besonders sensiblen Inhalten, wie z.B. Seiten mit politischen oder weltanschaulichen Inhalten (siehe weiter unten). Ein weiteres Problem kann die Benutzung von Wikis in der Arbeitswelt darstellen. Hier müssen oft Widerstände aus der Hierarchie überwunden werden, die (man könnte meinen naturgemäß) offenen Systemen mit einem für alle gleichberechtigten Zugang eher misstrauisch gegenüber stehen [Wiki].

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  1. Web 2.0 und Kollektive Inhaltsproduktion
  2. Wikis als Beispiel für kollektive Inhaltsproduktion im Web 2.0
  3. Technische Plattformen für Wikis
  4. Wikipedia
  5. Wikipedia - ein Praxistest
  6. Literaturverzeichnis