Robert Schumann: Liederkreis op. 39

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Untersuchung der Lieder

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Der Text der Eichendorff-Gedichte

Noten

Brahms' Vertonung des Gedichtes "In der Fremde"

Herman Prey - Bariton und Leonard Hokanson - Klavier (Teil 1)

Herman Prey - Bariton und Leonard Hokanson - Klavier (Teil 2)

Der Einsiedler

Inhaltsverzeichnis

Zeitlich, biographischer Hintergrund

geschrieben im Mai 1840.

Clara und Robert hatten ein Jahr vorher ein gerichtliches Verfahren gegen Claras Vater angestrebt, um endlich heiraten zu können. Sie waren schon seit 1835 ein Liebespaar. 1837 hatte Robert bei Friedrich Wieck um die Hand seiner Tochter angehalten.

„Wir Endesunterzeichnete hegen seit langen Jahren bereits den gemeinsamen und innigen Wunsch, uns ehelich miteinander zu verbinden. Doch steht der Ausführung dieses Entschlusses noch zur Zeit ein Hindernis entgegen, dessen Beseitigung ebenso notwendig zur Erreichung unseres Zweckes, als es uns mit tiefstem Schmerz erfüllt, dieselbe auf diesem Wege suchen zu müssen. Der Mitunterzeichneten Clara Wieck Vater verweigert uns nämlich, wiederholt an ihn gerichteter freundlicher Bitten ungeachtet seine Zustimmung. Die Gründe seiner Weigerung wissen wir uns nicht zu erklären; wir sind uns keiner Fehler bewußt; unsere Vermögenszustände sind derart, daß wir einer sorgenlosen Zukunft entgegensehen dürfen.. Was daher Herrn Wieck abhält, diesem Bunde seine Zustimmung zu geben, kann lediglich eine persönliche feindselige Gesinnung gegen den Mitunterzeichneten sein. Wie dem sei, wir sind nicht willens, deshalb von unserem wohlerwogenen Entschlusse abzusehen, und nahen uns daher dem Hohen Gericht mit der ergebenen Bitte, Hochdasselbe wolle Herrn Wieck zur Erteilung einer väterlichen Zustimmung zu unserem ehelichen Bündnis veranlassen, oder dieselbe nach befinden anstatt seiner uns zu erteilen, hochgeneigtest geruhen. Bloß die Überzeugung von der unabweisbaren Notwendigkeit dieses Schrittes vermag uns mit demselben zu versöhnen.

Leipzig, September 1839 Robert Schumann, Clara Wieck, zur Zeit in Paris"'


Aus Claras Tagebuch vom 26.9.1839

Ich habe gestern und heute mit meinem Vater gesprochen. Er gab mir vier Bedingungen an, nach deren Erfüllung er das Gericht autorisieren wollte, uns das Ja-Wort an seiner Statt zu geben, sie waren:

1. Ich sollte verzichten auf die 2.000 Taler, die ich nach siebenjährigem Spiel erübrigt und sie meinen Brüdern geben (ich meine, wenn ich ihnen 1000 Taler gebe, so ist es genug, soll ich denn nichts behalten?)

2. Soll ich meine Sachen und Instrumente zurückerhalten, wenn ich später 1.000 Taler nachbezahle und auch diese meinen Brüdern gebe (diese Bedingung hat er mir später nachgelassen)

3. Soll mir Robert 8.000 Taler von seinem Kapital verschreiben, die Interessen davon sollen in meine Hände fallen und nur ich soll im Falle einer Trennung (welch schrecklicher Gedanke) über das Kapital zu disponieren haben (Welch ein Mann wird so etwas eingehen? 12.000 Taler hat er und 2/3 soll er der Frau geben! Ist das nicht eines Mannes unwürdig? es ist des Mannes Sache, über das Geld der Frau zu wachen, aber nicht umgekehrt!). 4. Soll mich Robert zur Universalerbin einsetzen (wie schrecklich, wir sind noch nicht vereint und sollen schon an den Tod denken!) Diese Bedingungen können wir natürlich nicht erfüllen und so muß die Sache gerichtlich abgemacht werden...


Heirat am 12. September 1840 - einen Tag vor Claras 21. Geburtstag.

Allgemeine Bemerkungen zu diesem Liederzyklus

Alle Gedichte von einem Autor. Keine direkter Zusammenhang der Gedichte erkennbar. Unterschiedliche Simmungen.

Viel gespieltes Werk - einer der berühmtesten Liederzyklen überhaupt.

Vier ausgewählte Lieder

Text

aus dem Roman "Viel Lärm um nichts" (1833)

Endlich traten sie in einen ungeheuren Saal, in dessen Mitte Herr Faber ganz allein an einem großen runden Tische saß und unmäßig speiste, ohne aufzusehen und die Kommenden sonderlich zu beachten. Ein Fenster mußte irgendwo schlecht verwahrt sein, denn das einzige Licht auf dem Tische wehte und warf ungewisse Scheine über die Ahnenbilder an den Wänden und in den hintern, dämmernden Raum des Saales, wo eine unkenntliche Gestalt auf der Erde zu liegen schien; mit Erstaunen glaubte Romano, als er genau hinblickte, den wahnsinnigen Harfner wiederzuerkennen, der dort über seiner Harfe eingeschlafen war. – In einer Fensternische aber saß eine junge schöne Frau, mit einer Gitarre im Arm, in die vom Gewitter beleuchtete Gegend hinausschauend. Sie hörten sie im Eintreten eben noch singen:


I. In der Fremde

Aus der Heimat hinter den Blitzen rot
da kommen die Wolken her,
aber Vater und Mutter sind lange tot,
es kennt mich dort keiner mehr.
Wie bald, ach wie bald kommt die stille Zeit,
da ruhe ich auch, und über mir
rauschet die schöne Waldeinsamkeit.
und keiner kennt mich mehr hier.

II. Intermezzo

Dein Bildnis wunderselig
hab' ich im Herzensgrund,
das sieht so frisch und fröhlich
mich an zu jeder Stund'.
Mein Herz still in sich singet
ein altes, schönes Lied,
das in die Luft sich schwinget
und zu dir eilig zieht.

V. Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nur träumen müsst!
Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis' die Wälder,
so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus'.

VII. Auf einer Burg

Eingeschlafen auf der Lauer
oben ist der alte Ritter;
drüber gehen Regenschauer,
und der Wald rauscht durch das Gitter.
Eingewachsen Bart und Haare,
und versteinert Brust und Krause,
sitzt er viele hundert Jahre
oben in der stillen Klause.
Draussen ist es still und friedlich,
alle sind ins Tal gezogen,
Waldesvögel einsam singen
in den leeren Fensterbogen.
Eine Hochzeit fährt da unten
auf dem Rhein im Sonnenscheine,
Musikanten spielen munter,
und die schöne Braut, die weinet.
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