Kollektive Inhaltsproduktion

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Dieser Artikel wurde von meinem verstorbenen Freund Heiner Ludwig im Rahmen einer Seminararbeit an der FernUni Hagen verfasst.

Einleitung

Wohl kaum ein Begriff aus der jüngeren Informatik-Geschichte wird derart kontrovers diskutiert, wie derjenige des Web 2.0. Der von Dale Dougherty und Craig Cline zur Vorbereitung einer Konferenz im Jahre 2004 geprägte Begriff sollte zum Sammelbegriff für all jene Veränderungen werden, die das Web in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts durchlebt hat. Die Veröffentlichung des Artikels "What is Web 2.0" [Web 2.0] durch Tim O'Reilly im Jahre 2005 trug dann endgültig dazu bei, den Begriff an die Öffentlichkeit zu tragen und ihn im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Seitdem firmieren zahlreiche Schlagwörter unter dem Oberbegriff Web 2.0, wie z.B. Ajax, Blog, Folksonomy, Podcast, RSS, Social Software und Tagging, um nur einige Beispiele zu nennen.

Dabei ist die Debatte um den Inhalt und die Bedeutung des Begriffes noch längst nicht beendet. Kritische Geister gehen gar so weit, dem Begriff jegliche Bedeutung abzusprechen und vermuten dahinter einen Komplott der Werbeindustrie, mit dem Ziel alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Tatsächlich ist es aber unbestreitbar, dass das Web seit der New Economy einige wesentliche Veränderungen durchgemacht hat. Die wesentlichen Voraussetzungen hierfür wurden u.a. durch technische Entwicklungen geschaffen [Web 2.0]. So stiegen zum einen die den Benutzern zur Verfügung stehenden Datenübertragungsraten an, und zum anderen fielen die Internet Nutzungskosten kontinuierlich seit Mitte der 90er Jahre. Diese und andere Entwicklungen schufen die Grundlage für die Entwicklungen, die gemeinhin mit dem Begriff Web 2.0 assoziiert werden.

Hierzu gehören als Hauptmerkmal, gemäß O'Reilly, die Benutzung des Web als Plattform und die Einbeziehung der kollektiven Intelligenz der Webbenutzer. Der Benutzer ist hier nicht mehr der passive Empfänger von Informationen, sondern beteiligt sich aktiv an deren Erzeugung. Hierbei kommt der sog. Kollektiven Intelligenz als Emergente aus der Zusammensetzung der einzelnen Intelligenzen eine besondere Bedeutung zu. Die Intelligenz, die sich aus der kollektiven Beteiligung zahlreicher Individuen an der Produktion von Informationsinhalten ergibt, ist gemäß dieser Theorie der Summe der einzelnen Intelligenzen überlegen. Übrigens gibt es auch heftige Kritik an dieser Theorie. So spricht z.B. Jaron Lanier [Jaron Lanier] in diesem Zusammenhang von "Digitalem Maoismus" und entzieht dieser Theorie jegliche Existenzberechtigung.

Wie soeben erwähnt, gehört jedoch die Tendenz zu einem partizipativen Web zum Grundkonsens in der Debatte um das Web 2.0. Abbildung 1 aus [Wikimanagement] veranschaulicht diesen Sachverhalt.

In der vorliegenden Arbeit soll das Web 2.0 unter dem Aspekt der kollektiven Inhaltsproduktion beleuchtet werden. Hierbei wird in einem ersten Abschnitt der Begriff der kollektiven Inhaltsproduktion kurz eingeordnet. Danach wird in einem zweiten Abschnitt detailliert auf Wikis eingegangen, welche ein Paradigma für die Erstellung kollektiver Inhalte im Web 2.0 sind. Im dritten Abschnitt der Arbeit wird dann näher auf Wikipedia eingegangen und dessen Funktionsweise und organisatorische Strukturen näher beschrieben. Der letzte Abschnitt enthält schließlich die Beschreibung der Durchführung eines Praxistests in Wikipedia, der einige interessante Aspekte von Wikipedia aus dem Blickwinkel der täglichen Praxis beleuchtet.

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Abbildung 1 Internetnutzer werden von Lesern zu Redakteuren [Wikimanagement, S.6]

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